PSA Grading: Was bringt der neue Standort Frankfurt den Sammlern in der Schweiz?

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Fünf PSA-gegradete Sammelkarten in farbigen Cases vor einem Bürogebäude mit PSA-Logo und der Frankfurter Skyline am Main

Seit dem 15. September 2026 nimmt PSA in Frankfurt Einsendungen direkt von Sammlern an, und die Karten werden vor Ort gegradet. Ein kleiner Quantensprung für Schweizer Kartenliebhaber, würde man denken. Für Sammler in der EU ist das ein Paket innerhalb des Binnenmarkts, ohne Zollformular und ohne Flug über den Atlantik. Für die Schweiz fällt der Gewinn kleiner aus: Die Karte überquert weiterhin zweimal eine Zollgrenze, und der einfachste Weg führt nach wie vor über einen offiziellen PSA-Händler im Inland. Kürzer wird vor allem der Transport. Die Wartezeit bleibt lang, in der günstigsten Stufe rechnet PSA auch in Frankfurt mit 80 bis 90 Arbeitstagen.

Was ist Grading, und wie liest man die PSA-Skala?

Beim Grading prüft eine unabhängige Firma zuerst, ob eine Karte echt ist, und bewertet dann ihren Zustand auf einer Skala von 1 bis 10. Die Karte kommt danach in ein per Ultraschall verschweisstes Hartplastikgehäuse, den Slab, mit einem Etikett, das Note und Zertifikatsnummer trägt. Wer den Slab öffnet, hinterlässt Spuren, und die Nummer lässt sich in der Datenbank von PSA nachschlagen. Darauf beruht der Wert eines Slabs im Handel.

Bewertet werden Zentrierung, Ecken, Kanten und Oberfläche. Für die Zentrierung nennt PSA pro Note ungefähre Grenzwerte, und sie ist der Teil, den du vor der Einsendung am ehesten selbst prüfen kannst:

Note Bezeichnung Zentrierung vorne Zentrierung hinten Kurz gesagt
PSA 10 GEM-MT (Gem Mint) 55/45 75/25 praktisch perfekt
PSA 9 MINT 60/40 90/10 höchstens ein kleiner Makel
PSA 8 NM-MT (Near Mint-Mint) 65/35 90/10 wirkt auf den ersten Blick wie eine 9
PSA 7 NM (Near Mint) 70/30 90/10 leichte Abnutzung bei genauem Hinsehen
PSA 6 bis 1 EX-MT bis PR (Poor) zunehmend grosszügig sichtbare Abnutzung bis starke Schäden
Authentic ohne Note echt, aber ohne Zustandsnote
Authentic Altered ohne Note echt, aber verändert (beschnitten, gereinigt, restauriert)

55/45 heisst: Der breitere von zwei gegenüberliegenden Rändern macht höchstens rund 55 Prozent ihrer gemeinsamen Breite aus. Halbe Noten gibt es von 2.5 bis 8.5, für Karten am oberen Ende ihrer Stufe, und auch dort schauen die Grader zuerst auf die Zentrierung.

Hinten ist PSA für eine 10 grosszügig, vorne liegen zwischen 9 und 10 gerade fünf Prozentpunkte. Eine Karte mit scharfen Ecken, sauberen Kanten und glänzender Oberfläche bleibt deshalb bei einer 9 hängen, wenn der linke Rand sichtbar breiter ist als der rechte. Ob PSA 9 oder PSA 10 entscheidet sich oftmals schon in der Druckerei.

Wer ist PSA?

PSA steht für Professional Sports Authenticator, wurde 1991 gegründet und hat seinen Sitz in Kalifornien. Die 10-Punkte-Skala gibt es seit dem ersten Tag, die halben Noten kamen später dazu. Der Name verrät die Herkunft aus den Sportkarten, heute ist PSA bei Sammelkartenspielen genauso präsent. Laut dem Branchen-Tracker GemRate wurden 2025 bei den grossen Anbietern 26.8 Millionen Karten gegradet, 19.26 Millionen davon bei PSA, ein Marktanteil von stolzen 72%.

Diese Dominanz hat praktische Folgen: Wer eine Pokémon-Karte gegradet verkaufen will, trifft auf Käufer, die die PSA-Skala kennen und Verkaufspreise gleich bewerteter Karten vergleichen können. Das ist bei einem Slab einer kleineren Firma schwieriger. CGC ist mit 18 Prozent die Nummer zwei und bei Sammelkartenspielen deutlich stärker vertreten als bei Sportkarten. Unter dem Strich haben PSA-Slabs die höchste Liquidität und sind am meisten gefragt.

Wie läuft eine Einsendung ab?

Wer selbst einsendet, braucht ein Konto bei PSA, erfasst die Karten online, wählt eine Servicestufe und gibt für jede Karte ihren geschätzten Wert nach dem Grading an. Die Stufe bestimmt Preis, geschätzte Bearbeitungszeit und die Obergrenze, bis zu der PSA im Schadenfall haftet. Schätzt PSA eine Karte höher ein als die Obergrenze deiner Stufe, meldet sich PSA und verlangt den Aufpreis für die passende Stufe.

Beim Verpacken ist PSA genau, und nicht jede Regel ist selbsterklärend:

  • Jede Karte kommt zuerst in eine klare Soft Sleeve (Penny Sleeve). Undurchsichtige Hüllen können die Bearbeitung verzögern.
  • Die gesleevte Karte schiebst du in einen Semi-Rigid Card Holder (Card Saver). Toploader sind ausdrücklich nicht erwünscht, ebenso Klebeband, Zuglaschen und Haftnotizen am Halter.
  • Die Karten stapelst du in der Reihenfolge des Einsendeformulars zwischen zwei Kartonstücke, hältst den Stapel mit zwei, drei nicht zu straffen Gummibändern zusammen, legst das ausgedruckte Formular bei und polsterst alles in einer neuen Schachtel. Das Tracking-Etikett aus der Bestätigung kommt aussen auf die Schachtel.

Der Toploader scheint auf den ersten Blick die sicherere Hülle, trotzdem will PSA ihn nicht: Die Karte wird von Hand aus dem Halter gezogen, und dafür ist der biegsamere Card Saver gemacht. Soft Sleeves und passende Semi-Rigid Holder gibt es bei uns auch zusammen im Kombipack:

Nach dem Eingang zeigt dein PSA-Konto, an welcher Station die Bestellung steht, von der Erfassung über das Grading bis zum Rückversand. Karten mit erkennbaren Eingriffen, etwa gepressten Knicken, Reinigungsmitteln oder beschnittenen Kanten, bekommen keine Note. Sie kommen ohne Slab zurück oder, wenn du das auf dem Formular so angegeben hast, als "Authentic Altered" eingekapselt. Die Gradinggebühr ist in diesen Fällen trotzdem fällig.

Was ändert sich mit PSA Frankfurt?

PSA hat den Standort im September 2025 angekündigt. Zuerst durften nur autorisierte Händler einsenden, seit dem 15. September 2026 steht Frankfurt allen Sammlern aus der EU offen. Frankfurt gradet selbst und leitet die Karten nicht in die USA weiter. Angenommen werden Sportkarten und Sammelkartenspiele, ausdrücklich auch Pokémon und Yu-Gi-Oh!.

Die Preise für Europa, Stand 23. September 2026, pro Karte:

Stufe Preis Haftung bis Geschätzte Bearbeitungszeit
Standard (Einführungspreis) EUR 49.99 EUR 900 80 bis 90 Arbeitstage
Priority (Einführungspreis) EUR 69.99 EUR 1'300 70 bis 80 Arbeitstage
Express EUR 199 EUR 2'200 25 bis 30 Arbeitstage
Super Express EUR 349 EUR 4'500 25 bis 30 Arbeitstage
Premier EUR 599 EUR 9'000 25 bis 30 Arbeitstage

Ab Express schätzt PSA für Frankfurt überall dieselben 25 bis 30 Arbeitstage. Mit Super Express oder Premier bezahlst du dort derzeit also für eine höhere Haftungsgrenze und hochauflösende Fotos, nicht für eine kürzere geschätzte Wartezeit. Solange eine Karte unter der Grenze von Standard oder Priority liegt, sind das die Stufen, die wir wählen würden.

Den Rückstau veröffentlicht PSA alle zwei Wochen. Am 22. September 2026 lag er weltweit bei rund 9 Millionen Karten, nach 12.4 Millionen Ende Juli. Die günstigsten Stufen (Value und Bulk) sind seit dem 2. Juni 2026 pausiert; PSA will sie erst wieder öffnen, wenn der Rückstau bei etwa 5 Millionen liegt. Neue Standard-Aufträge reihen sich laut PSA hinter die Karten ein, die schon im Haus sind. Frankfurt hilft beim Abbau vor allem als zusätzliche Kapazität, und europäische Karten sparen sich den Weg über den Atlantik.

Und aus der Schweiz?

Die Schweiz ist nicht in der EU, und PSA hat die Direkteinsendung ausdrücklich für EU-Sammler geöffnet; eine eigene Regel für die Schweiz nennt PSA nicht. Eine Karte, die von Zürich nach Frankfurt und zurück reist, überquert zweimal die Zollgrenze. Auf dem Rückweg kommt sie als Sendung aus dem Ausland an, mit Deklaration und je nach Verfahren mit Einfuhrsteuer und Gebühren des Paketdienstes.

Der einfachere Weg führt deshalb über einen offiziellen PSA-Händler in der Schweiz; die Händlersuche auf psacard.com listet derzeit fünf. Ein solcher Händler sammelt die Karten seiner Kunden, schickt sie gebündelt ein und organisiert den Rückweg. Frag vor der Abgabe nach, was seine Gebühr pro Karte abdeckt, ob er bereits über Frankfurt einsendet und in welchem Rhythmus er verschickt, denn Sammelrhythmus und Versand kommen zur Bearbeitungszeit von PSA dazu.

Nach dem Grading: Slab schützen und zeigen

Der Slab schützt die Karte vor Druck und den meisten Beschädigungen, sein Hartplastik verkratzt aber, wenn Slabs aufeinander rutschen oder lose in einer Schachtel liegen. An der Note ändert ein zerkratztes Sichtfenster nichts. Es sieht nur so aus, als betrachte man eine PSA 10 durch eine schmutzige Brille.

Für den Schutz im Alltag gibt es passgenaue Cases, etwa die Standard und Jewel Cases von GradedGuard: ein stossdämpfender Rahmen aus TPU, ein klarer Rücken aus Polycarbonat, erhöhte Lippen vorne und hinten, stapelbar. Die beiden Modelle gibt es in verschiedenen Grössen, jeweils zugeschnitten auf die Masse des Slabs des jeweiligen Grading Services. Schau deshalb bei jedem Case und jedem Ständer nach, für welche Grading-Firma er gebaut ist.

Zum Zeigen gibt es Acryl-Displays für einen oder drei Slabs, einige mit UV-Filter, was sich vor allem am Fenster lohnt. Wer viele Slabs hat, sortiert sie in 4-Pocket-Ordnerseiten für PSA-Slabs oder transportiert sie in einem Koffer für bis zu 100 Slabs, den man mit eigenen Schlössern sichern kann. Die ganze Auswahl rund um gegradete Karten:

Häufige Fragen zu PSA Grading

Kann ich aus der Schweiz direkt bei PSA in Frankfurt einsenden?
PSA hat Frankfurt für Sammler aus der EU geöffnet und nennt für die Schweiz keine eigene Regel. Ohne Zollaufwand auf deiner Seite geht es über einen der offiziellen PSA-Händler in der Schweiz.

Wie lange dauert PSA Grading?
In Frankfurt schätzt PSA 80 bis 90 Arbeitstage in der Stufe Standard und 25 bis 30 ab Express. Über einen Händler kommen dessen Sammelrhythmus und der Versand dazu.

Kann ich meine Karten im Toploader einschicken?
Nein. PSA verlangt eine klare Soft Sleeve und darüber einen Semi-Rigid Card Holder.

Lohnt sich Grading für jede Karte?
Nein. Schon die günstigste Stufe kostet in Frankfurt EUR 49.99 pro Karte, vor Versand und Händlergebühr. Rechnerisch lohnt es sich bei Karten, deren Marktwert gegradet deutlich über dem ungegradeten liegt; daneben gibt es gute Gründe ohne Rechnung, etwa den Echtheitsnachweis für ein Erbstück.

Wenn du eine Karte im Auge hast, nimm sie aus der Hülle, leg sie unter gutes Licht und vergleiche die Ränder links und rechts, oben und unten, bevor du Geld für die Einsendung ausgibst.

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