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Pokémon-Land Schweiz: Ein Deep-Dive in unsere Sammler-Leidenschaft

· 7 Min. Lesezeit

Menschenmenge vor dem Eingang der Pokémon-Weltmeisterschaft 2022 in London mit dem Schriftzug Pokémon-Land Schweiz

Am letzten Augustwochenende stand in San Francisco ein Schweizer im Final der Pokémon-Weltmeisterschaft. Maxwell Ember, in der Szene als "MEweedle" bekannt, spielte sich im Pokémon-GO-Turnier bis ins Endspiel und verlor dort gegen den Japaner Hiroki Yamauchi. Platz zwei der Welt, aus der kleinen Schweiz. Wer die Szene schon länger verfolgt, kannte den Namen bereits: 2022 in London hatte Ember die Senior-Kategorie in Pokémon GO gewonnen und war damit bereits einmal Weltmeister.

Ein Finalist aus einem Land mit neun Millionen Einwohnern fällt auf, besonders wenn die ärgsten Konkurrenten aus grossen Nationen wie Japan und den USA kommen. Es ist aber weniger überraschend, als es aussieht. Pokémon hat in der Schweiz eine Verankerung, die man von aussen leicht unterschätzt, und Embers zweiter Platz ist ein guter Anlass, um einmal hinzuschauen, wie tief sie reicht.

Vom Pausenplatz in den Estrich und wieder zurück

Angefangen hat es 1999. In diesem Jahr kamen die ersten Sammelkarten in die Schweiz, im Oktober folgten die Rote und die Blaue Edition für den Game Boy, und innert Monaten war der Pausenplatz ein Handelsplatz. Wer ein holografisches Glurak hatte, wurde von Kindern umringt, die er nicht kannte. Getauscht wurde nach Regeln, die von Pausenplatz zu Pausenplatz anders waren, gespielt wurde meist ohne Regelheft, und die eigentliche Währung waren nicht die Karten, sondern das Wissen darüber, welche man auf keinen Fall hergeben durfte.

Was damals passierte, lässt sich am besten als Prägung beschreiben. Wer mit acht Jahren gelernt hat, dass eine Karte kostbar sein kann, verlernt das selten. Die Sammlung wandert später in einen Schuhkarton, der Schuhkarton in den Estrich, und dann kommt die Pubertät, in der man anderes im Kopf hat als Sammelkarten von Fantasiewesen. Bei vielen blieb es für zehn oder fünfzehn Jahre still. Aber die Prägung blieb, und sie meldete sich in Wellen zurück.

Die erste grosse Welle kam im Sommer 2016, als Pokémon GO das Land auf die Strasse holte. Auf dem Casinoplatz in Bern sammelten sich Menschentrauben, Powerbank-Verkäufer erlebten ihre erste Blütezeit, die Polizei bekam Anrufe von Anwohnern, denen die Gruppen unheimlich waren, die schweigend auf ihre Handys starrten, und plötzlich sprachen Dreissigjährige wieder über Pikachu, als wäre nie etwas dazwischen gewesen. Für manche war das der Moment, in dem sie den Schuhkarton wieder aus dem Estrich holten.

Andere fanden ihn beim Zügeln. Sascha Haslauer stiess zum Beispiel bei einem Umzug auf seine alten Karten, wollte sofort wieder anfangen und gründete in der Folge die Pokémon-Liga Ostschweiz, die heute den Pokémon Swiss Cup austrägt. Sandro Menzi aus Gossau begann mit Mitte dreissig überhaupt erst zu spielen, und ein paar Jahre später schaffte es sein elfjähriger Sohn an der Europameisterschaft in Berlin unter die besten 15. Patrick Landis, ebenfalls aus der Ostschweizer Liga, hat den Reiz gegenüber SRF in einem Satz erklärt: Andere spielen Schach, er spielt Pokémon-Karten.

Die zweite Welle brachte die Pandemie. Wer 2020 zu Hause sass, räumte den Estrich auf, und in erstaunlich vielen Estrichen lagen Karten aus dem Jahr 1999. Ende 2020 versteigerten zwei Schweizer Sammler auf Ricardo ein ungeöffnetes deutsches Display der ersten Base-Set-Auflage, das sie ein paar Jahre zuvor für rund 800 Franken gekauft hatten. Nach 48 Stunden stand das Gebot bei über 25'000 Franken, und der führende Bieter kündigte öffentlich an, er wolle die Box öffnen und die Karten in der Schweizer Community verteilen. Als McDonald's 2021 zum 25. Geburtstag von Pokémon Karten ins Happy Meal legte, kauften Erwachsene die Kindermenüs im Dutzend.

Am Ende dieser Zeitreise steht eine Schweizer Familie, die gar nicht erst aufgehört hat. Im Mai 2026 zeigte eine 20-jährige Deutschschweizerin unter dem Pseudonym Jolina Gisèle, was sie und ihr Vater seit 2013 zusammengetragen hatten: über 60'000 Karten, rund 12'000 davon von PSA bewertet, darunter die erste Pikachu Illustrator, die PSA je begutachtet hat. Die Aargauer Zeitung schätzte den Wert auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Die Sammlung liegt heute in einem Tresorraum, und die Familie denkt über einen Verkauf nach, am liebsten an jemanden, der ein Museum daraus macht. Angefangen hat auch diese Sammlung mit einem Kind, das Karten schön fand.

Der Aufwind der letzten Jahre

Was 2016 als Nostalgie zurückkam, ist inzwischen ein Markt, und zwar ein grosser. 2023 verkaufte Digitec Galaxus 46 Mal so viele Sammelkartenprodukte wie 2019, während Brettspiele und Puzzles stagnierten, und im ersten Quartal 2024 kam gegenüber dem Vorjahr nochmals mehr als die Hälfte obendrauf. Die Kundschaft dahinter ist genau die, die man erwartet: fast die Hälfte zwischen 30 und 39, ein weiteres Viertel zwischen 20 und 29. Steven Soland vom Pokémon-Händler Zadoys hat es gegenüber 20 Minuten auf den Punkt gebracht: Die Kinder der 90er sind heute erwachsen und haben jetzt die finanziellen Mittel.

Als im Januar 2025 die Erweiterung "Prismatic Evolutions" erschien, stand vor dem Laden von CardCollectors eine Schlange, die das Team nur noch mit Ticketvergabe in den Griff bekam, und SRF titelte kurz darauf "Schweiz im Pokémon-Rausch". Mitgründer Pascal Landolt beschreibt seine Kundschaft als Mischung aus Schülern und Bankern. Das trifft den Nagel auf den Kopf: Die Pokémon-Community in der Schweiz ist divers wie kaum eine andere Gemeinschaft.

Es gibt allerdings auch Wermutstropfen: Watson berichtete im Frühling 2026, dass Kinder teils kaum noch an Karten kommen, weil Erwachsene sie ihnen wegschnappen und zu Mondpreisen weiterverkaufen. Wo bekanntlich Sonne ist, muss es auch Schatten geben.

Dass in der Schweiz gesammelt wird und nicht in erster Linie gespielt, bestätigt übrigens der Distributor, der die Schweizer Läden beliefert: Nach seiner Schätzung werden nur 15 bis 20 Prozent der verkauften Karten tatsächlich gespielt, der Rest wird gesammelt.

Wo sich die Szene trifft

Die Szene ist in den letzten Jahren gewachsen, vor allem aber ist sie sichtbar geworden. Die Pokémon-Liga Ostschweiz, 2014 gegründet, trug im August 2025 in Gelterkinden zum siebten Mal den Pokémon Swiss Cup aus, einen offiziellen League Cup mit Championship Points für die Weltmeisterschaftsqualifikation.

Wir sind aber nun mal ein Land von Sammlern, und für die zählen die Conventions. Die CardCon Zürich im Albisgüetli zählte im April 2026 in ihrer dritten Ausgabe 2'500 Besucher, war komplett ausverkauft, und Tagespässe, die regulär 14.90 Franken kosteten, wurden auf Ricardo für über 100 Franken gehandelt. Über das Wochenende wechselten nach Angaben der Veranstalter Karten im Wert von mehr als einer Million Franken den Besitzer. Im August folgten die CardFusion in Winterthur mit über 40 Händlertischen und die Trading Card Convention in der Stadthalle Dietikon auf über 1'000 Quadratmetern. Wir waren in Dietikon selbst vor Ort: Selten haben wir so lange einen Parkplatz gesucht, um schliesslich einen zu ergattern, der zehn Minuten zu Fuss von der Stadthalle entfernt war. Ausserdem waren die ersten beiden Einlassfenster restlos ausverkauft. Wer sich zu spät um sein Ticket gekümmert hat, hat leider nur noch die vom Morgen übrig gebliebene Restware zu sehen bekommen. Im Oktober kommt die Cardshow Swiss im Berner Wankdorf-Stadion, ebenfalls schon zum siebten Mal, dann die Collectibles Universe, im November die Cardmania in Schattdorf. Dazwischen laufen die kleinen, regelmässigen Tauschtreffen, etwa im House of Cards in Bern, im Emmen Center oder in der Sammelkartenarena in Mollis, und an der Fantasy Basel stehen die Schweizer Kartenhändler mit Singles und Slabs zwischen den Cosplayern.

Die Community rund um Pokémon GO, aus der Embers Erfolg stammt, ist nochmals eine eigene Welt. Beim globalen GO Fest im Juli 2026 kamen an einem Samstag 433 Spielerinnen und Spieler, wohlgemerkt bei 33 Grad Aussentemperatur, an der ETH Zürich zusammen, um gemeinsam Mega-Mewtu zu bekämpfen; am Sonntagmorgen standen nochmals rund hundert vor dem Landesmuseum.

Und es geht fröhlich weiter: 30 Jahre, ein Jubiläumsset und ein voller Kalender

Das nächste Datum steht fest. Am 16. September 2026 erscheint zum 30-jährigen Jubiläum des Sammelkartenspiels die Erweiterung "30 Jahre", und sie ist in mehreren Punkten ein Novum. Zum ersten Mal erscheint ein Set weltweit am selben Tag, von Japan über Europa bis Brasilien. Jeder Booster enthält fünf holografische Karten plus eine holografische Basis-Energie, und in jedem Booster steckt eine von 30 Pikachu-Karten, jede von einem anderen Künstler illustriert. Dazu kommen 30 klassische Karten aus früheren Erweiterungen als Neuauflage mit Jubiläumsstempel und eine neue Seltenheitsstufe. Für alle, die 1999 dabei waren, ist das Set eine Einladung, die man kaum ausschlagen kann.

Der Release zieht sich über den ganzen Herbst. Zum Start im September kommen die 2er-Pack-Blister, die Knock-out-Kollektion mit Evoli-Promo und die Top-Trainer-Box mit neun Boostern. Im vierten Quartal folgen die Booster-Bundles mit sechs Boostern, die Binder-Kollektion mit Ordner und fünf Boostern, Poster-Kollektion, Mini-Tins, Kampfdecks mit Psiana-ex und Nachtara-ex, die Pokémon-ex-Boxen mit Feelinara-ex oder Quajutsu-ex, eine Premium-Kollektion mit Ditto sowie eine Ultra-Premium-Kollektion in einer Tag- und einer Nacht-Version mit 30 Boostern, darunter ein Classic-Collection-Booster. Für Sammler sind die Binder-Kollektion und die Ultra-Premium-Kollektion die interessanten Stücke, der Rest ist im Kern Booster mit Beilage. Die genauen Schweizer Daten und alle weiteren Sets des Jahres findest du laufend aktualisiert in unserem Release-Kalender, und jede einzelne Karte des Sets, sobald sie bekannt ist, in der Pokémon-Kartenliste.

Und weil in der Schweiz vier von fünf Karten nie gespielt werden, bleibt am Schluss die Frage, wie die dreissig Pikachus den nächsten Estrich überstehen. Bei uns findest du alles, was du zum Aufbewahren deiner Karten brauchst:

Und natürlich helfen wir dir auch dabei, deine besten Pulls zu schützen: von Soft Sleeves über Toploader bis zu Grading-Utensilien (wer mag denn PSA schon eine Pause gönnen). Bei uns findest du alles:

Falls du Fragen zu einem Produkt hast, schreib uns ungeniert, wir schauen das gerne mit dir an. Und falls du am 16. September irgendwo in einer Schlange stehst, grüss die anderen von uns.